Die Rückkehr der Utopien

Das Festival 2017

so lautete vor kurzem der Aufmacher eines angesehenen deutschen Wissenschaftsmagazins. Und tatsächlich: Als wir vor rund 15 Jahren mit unserer Reihe starteten, hatte allein schon der Begriff in der gesellschaftlichen Debatte einen belasteten Beigeschmack. Utopie?? Eine Überdosis Idealismus! Politischer Pragmatismus galt damals als cool. Angesagt war die smarte Verwaltung eines hohen Niveaus, dessen Fragilität noch für wenige wahrnehmbar war. Momentan entstehen fast monatlich neue Tagungen mit außergewöhnlichen Entrepreneurinnen und Innovationsexperten, Dokumentarfilme über visionäre Projekte und auch Wochenzeitungen und Talkshows haben das Thema entdeckt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Auffällig ist aber die gegenwärtige Präsenz der dunklen Zwillingsschwester der Utopie, der Dystopie: Zukunftsbilder totalitärer Gottesstaaten, supranationale Überwachungskonzerne, die den Rechtsstaat ablösen und aus freien Bürgerinnen und Bürgern Lieferanten von Konsumentendaten machen, mit denen diese wiederum ausweglos manipuliert werden, oder gigantische Migrationskrisen, die unsere Sozialsysteme ins Chaos reißen.

... oder das Comeback des Albtraums?

Die Angst ist gegenwärtiger als Lösungsideen, die über Reparaturvorschläge bestehender Systeme hinausgehen. Besonders deutlich ist das in der derzeitigen EU-Debatte.

Die Betonung des Unterschieds und nicht der Gemeinsamkeit, die Verweigerung von gegenseitiger Hilfe etwa in der Flüchtlingsfrage, die Rückkehr zum Nationalstaat – diese Narrative prägen derzeit unser Fühlen, Nachdenken oder Sprechen über Europa. Und nicht kraftvolle, neue Konzeptionen, wie wir diese historisch noch nie dagewesene Friedenszeit, das bisher erreichte Niveau an Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit gemeinsam und für alle auf die nächste Stufe heben können. Dem Zurück in ein Europa sich abgrenzender Vaterländer, inneren und äußeren Bildern neuer Mauern, plötzlich salonfähigen Ideen von der ineffizienten Demokratie und dem effizienten autoritären Leader steht die schmerzliche Abwesenheit begeisternder Visionen des guten Lebens in einem gelingenden Gemeinwesens gegenüber. Es gibt sie natürlich, aber im Getöse der Angst sind sie kaum vernehmbar. So sind diese achten »Tage der Utopie« wieder eine Übung, sich der besseren Möglichkeit zuzuwenden. Dem was wir wirklich wirklich wollen. Und dabei die Utopie nicht als Rezept, sondern als Haltung, als Instrument für Entwicklung und Austausch zu verstehen. Der Weg entsteht beim Gehen. Aber es ist entscheidend, in welchen geistigen Landschaften wir uns bewegen. Welche Bilder uns navigieren und ob wir uns als vereinzelt oder in Gemeinschaft empfinden.

Hans-Joachim Gögl und Josef Kittinger,
Programmleiter

 

 

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