Aus Kritik wird Vision

Das Festival 2019

Der »Tage der Utopie-Referent Christian Beinke von »The Dark Horse« erzählte uns folgende Geschichte: Die Berliner Innovationsagentur war die gemeinsame Gründung einer ganzen Hochschulklasse, und natürlich war es ihr Anspruch, alle Fragen der gemeinsamen, zukünftigen Unternehmensstruktur und Organisation demokratisch und im Konsens zu entscheiden. Das bedeutete: Eine kleine Arbeitsgruppe wird beauftragt, zu einer wichtigen Frage – wie z.B. die zukünftige Gewinnaufteilung – einen Vorschlag zu erarbeiten. Die Eigentümerversammlung diskutiert und stimmt ab mit einem Ergebnis, wie wir das alle kennen: 90% finden den durchdachten Vorschlag gut, drei  Gesellschafter haben Einwände. Die Arbeitsgruppe wird also beauftragt diese in einen neuen Vorschlag einzubauen und zum nächstmöglichen Temin die verbesserte Lösung zu präsentieren. Entscheidung vertagt. Bei so vielen Mit-Unternehmerinnen und Mit-Unternehmern kann das kräfteraubend und frustrierend werden. Die Dark-Horse-Arbeitsgruppen wurden immer wieder zurück an den Start geschickt, bis irgendwann dann doch ein einstimmiges Ergebnis möglich war.

Haltung statt Ideologie, Prozesse statt Rezepte

Und dann fanden sie für sich selbst eine verblüffende Lösung, durch eine geniale Änderung der Spielregel: Wer einen Einwand hat, muss Teil der Lösung werden und damit automatisch und sofort Mitglied der Arbeitsgruppe! Das Ergebnis waren deutlich schneller getroffene und trotzdem von allen mitgetragene Entscheidungen! Die Anzahl der Einwände ging massiv zurück. Wem aber wirklich etwas fehlte, der oder die ging in die Arbeitsgruppe und brachte sein Anliegen dort ein

Diese kleine, aber für das Unternehmen so wichtige Innovation spiegelt Haltungen wider, die sich wie ein roter Faden durch das Progamm der Woche ziehen: Welche Prozesse sind hilfreich, um aus einer defizitorientierten Perspektive in die Lösungsorientierung zu kommen? Wie kann berechtigte Kritik mit Vision und ein Zukunftsbild mit Umsetzung verbunden werden? Wie können wir in einem so konkurrenzorientierten, effizienzgetriebenen Umfeld wie heute, Werten wie Gemeinschaftlichkeit und Mitbestimmung treu bleiben? Das visionäre Rezept vom vergangenen Jahr mag rasch überholt sein, aber Werkzeuge des Nachdenkens und Vorfühlens, wie wir gemeinsam leben wollen, bleiben unsere kraftvollen Begleiter.

Eutopia – Aus Kritik wird Zusammenspiel

Parallel zum Bewerbungszeitraum der »Tage der Utopie« läuft die Europawahl. Wir nahmen dies zum Anlass unsere Festivalkommunikation für ein Statement zu einer Utopie der Vielfalt und Solidarität zu nützen. Für ein Europa der Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit, das ein fruchtbares, erfolgreiches  Zusammenspiel vielfältiger Kulturen und Weltanschauungen repräsentiert, barmherzig und innovativ, selbstironisch und schöpferisch.

Hans-Joachim Gögl und Josef Kittinger

 

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